Optimierung des Prototypen

Praxistipp Nr. 1: Abgleich der Optimierungsvorschläge aus dem Feld mit Literatur

Educational Design Research arbeitet in der Regel in den ersten Zyklen mit kleinen Stichproben. Nun stellt sich die Frage wie methodisch saubere Optimierungen des Prototypen realisiert werden. Nehmen wir an zwei Probanden haben im Abschlussinterview des ersten Zyklus einen Verbesserungsvorschlag geäußert. Kann aufgrund zweier Aussagen bereits das Design verändert werden? Nehmen wir das Beispiel-Projekt Fortbildung in Form von Coaching um dies deutlicher zu machen. Aufgrund permanenten Zeitmangels wird von zwei Lehrerinnen und Lehrern auf die Frage, was an einer Fortbildungsmaßnahme optimiert werden sollte, genannt, dass diese zeitlich gekürzt werden sollte. Jetzt stellt sich die Frage, ob aufgrund einiger weniger Aussagen die Fortbildung zeitlich gekürzt werden sollte. Um darauf eine Antwort zu finden, ist nun eine wiederholte Literaturrecherche notwendig. Dabei stößt man darauf, dass durch zahlreiche Autoren belegt ist, dass kurze Halbtagesfortbildungen weniger wirksam sind, als mehrtägige Fortbildungen. Diese Erkenntnis sollte man sich sofort notieren um im Abschlussbericht des Forschungsprojektes eine saubere Begründung formulieren zu können. Jetzt besteht die Möglichkeit die Kritik der Lehrpersonen in der Form aufzunehmen, dass bereits in der Ausschreibung der Fortbildung stärkere Transparenz über die Dauer und den Zeitaufwand der Fortbildung hergestellt wird. Des Weiteren stellte sich im ersten Zyklus heraus, dass sogar mehr Zeit notwendig war. Wie kommt das? Über die Methode der teilnehmenden Beobachtung wurden die Teilnehmerziele für das Coaching protokolliert. Darüber wurde festgestellt, dass fast alle Lehrerinnen und Lehrer mit ihren Schülerinnen und Schülern aktive Medienarbeit machen möchten. Das war bei der Planung des ersten Zyklus nicht absehbar. Jetzt erschließt sich aber fast von selbst, dass es nicht möglich ist, aktive Medienarbeit, wie beispielsweise die Videoproduktion, in einer Stunde zu lernen. Die Hälfte der Lehrpersonen äußerten passend zu der teilnehmenden Beobachtung die Aussage im Abschlussinterview, dass Sie sich mehr Zeit für das praktische Ausprobieren gewünscht hätten. Analysiert man die Daten genauer sind das vor allem die Technik-Novizen. An dieser Stelle kann in der Datenanalyse noch weiter in die Tiefe gegangen werden ….  Zurück zur Optimierung des Zyklus. Diese Aussagen, teilweise sogar von den gleichen Personen stehen bei genauerer Analyse also sogar teilweise im Widerspruch zueinander. Auch hier besteht die Möglichkeit tiefer zu gehen ….

Praxistipp Nr. 2: Zügige Datenauswertung für den Optimierungsprozess relevanter Daten

Eine weitere wichtige Erkenntnis im Educational-Design-Research-Prozess ist möglichst effizient und ökonomisch in der Auswertung der Daten zu arbeiten. Um möglichst viele Zyklen durchführen zu können steht der Forscher oder die Forscherin in permanenten Zeitmangel. Es sollte möglichst schnell der erste Prototyp in die Erprobung gehen, weil dadurch Erkenntnisse kommen, die weder durch die Felderkundung, noch durch die Literaturrecherche vorhergesehen werden können. Das kommt durch den explorativen Charakter von Educational Design Research. Bereits während des ersten Zyklus sollte das Design möglicherweise optimiert werden, wenn die teilnehmende Beobachtung (wenn möglich inklusive Audioaufzeichnung) bereits Notwendigkeiten bestimmt. Im Coaching-Projekt wurden nach den ersten Sitzungen von einer Teilnehmerin extrem kritische Äußerungen gegenüber digitaler Medien im Unterricht geäußert. Die gezielte Recherche in weiterer Coaching-Literatur ergab die Möglichkeit der Einpassung weiterer Methoden in das Coachingdesign. Die Auswertungsphase zwischen den Zyklen sollte möglichst zeit-ökonomisch gestaltet werden, sodass möglichst schnell mit dem nächsten Zyklus begonnen werden kann. Möglicherweise kann Zeit gewonnen werden, indem nicht gleich alle Forschungsfragen erschöpfend beantwortet werden, sondern zunächst alle Energie in die Forschungsfrage zum Design gesteckt wird, damit der optimierte Prototyp zügig in die nächste Erprobung gehen kann. Das Datenmaterial kann dann währen den folgenden Zyklen auf die anderen Forschungsfragen hin untersucht werden.

Praxistipp Nr. 3: Externes Audit gibt eine große Dichte von Optimierungsvorschlägen

Nun zu der dritten und letzten praktischen Erkenntnis. Bewegt sich der Forschende in einem wenig erforschten Bereich, in dem wenig Literatur vorhanden ist, gibt es die Möglichkeit ein externes Audit zu machen. Dabei wird das Design, zum Beispiel das Coachingdesign mehreren Experten in schriftlicher Form zugeschickt. Nachdem sich die Experten damit befasst haben, wird ein Interview zu Optimierungsvorschlägen durchgeführt. Aufgrund des Expertenstatus dient dieses Verfahren der Qualitätssicherung, bringt aber gleichzeitig auch einer enorme Dichte von Erkenntnissen.

Das waren ein paar praktische Tipps, um zeit-ökonomisch aber mit sehr hohen Qualitätsstandards zu arbeiten. Abschließend muss leider gesagt werden, dass Educational-Design-Research-Projekte sehr zeitaufwendig, aber dafür auch sehr spannend sind.

Website der EDR-Group Heidelberg online

Herzlich Willkommen auf der Website der Educational Design Research Group Heidelberg.

Wir sind eine Gruppe von Forscher*innen an der PH Heidelberg, die mit der Methode Design Research arbeiten oder daran interessiert sind. Wir treffen uns regelmäßig, um uns über Fragen und Herausforderungen zur EDR auszutauschen. Du findest hier eine kurze Erklärung zur Methode und eine Übersicht über einige unserer Projekte.

Sind Sie Forscher*in an der PH Heidelberg und interessiert an einem Austausch zu EDR? Dann können Sie Mitglied werden.